Der Weg von ProMosaik News zu ProMosaik Voice
Der letzte Artikel von ProMosaik News aus dem Jahre 2021 betraf die Mosaikgesellschaft Afghanistans. Ich schrieb ihn voller Hoffnung an dem Tag, an dem die USA endlich Afghanistan verließen. Jener Tag stellte in meinem Leben als Muslimin, Sozialistin und Menschenrechtsaktivistin sozusagen eine Zäsur dar. Das neue souveräne Afghanistan, ein Land voller Hunger und Verzweiflung, ein Land voller politischer Fehltritte und brutaler Ausgrenzung und Marginalisierung muslimischer Frauen von der Gesellschaft und Politik, war für mich aber immer noch der stille Ausdruck unserer anti-imperialistischen Grundüberzeugung, für die ich mich bis heute einsetze. Er war auch der Ausdruck der multikulturellen Grundeinstellung der islamischen Religion und Zivilisation als Alternative zum imperialistischen Kapitalismus.

Quelle: Reuters
Seit 2021 hat sich die Welt Schritt für Schritt immer mehr militarisiert und brutalisiert. Die Kriege gegen muslimische Länder lassen nicht nach, gleichzeitig verbreiten sich im Westen Gewalt auf den Straßen, blinde Asylpolitik, rechtsradikales Denken und unkooperatives politisches Denken und Nicht-Handeln.
Wo man hinsieht, unterscheiden sich Brutalität und Dummheit, Gleichgültigkeit und Bösartigkeit, Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, Missbrauch von Kindern und Verbreitung von Drogen und Prostitution, Arglist und Machtkalkül kaum mehr voneinander. Ich denke in diesem Zusammenhang oft an den Theologen Dietrich Bonhoeffer und seine Theorie der Dummheit. Es sieht so aus, als würde ich mit der Anwendung seiner Theorie auf fast allen Gebieten ins Schwarze treffen, ohne aber mehr als ein softes reformistisches Denken hervorzubringen.

Quelle: Faith and Leadership
Der authentische Sozialismus ist entartet und beugt sich der Macht der Waffenlobbys. Die Anarchisten sind zu einer Elitetruppe mutiert, zu der das einfache Volk keinen mehr Zugang hat oder wohl nie einen hatte. Das Leben der Menschen ist sinnentfremdet oder sinnentleert. Die gravierenden wirtschaftlichen Probleme, welche die gesamte kapitalistische Welt heimsuchen und die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderreißen, vermitteln ein Bild eines gefährlichen Europas, ohne Sicherheit auf den Straßen, gekennzeichnet von narzisstischen Denkweisen, von einem harten demografischen Niedergang und einer vollkommenen Passivierung der Bevölkerung, die durch Brot und Spiele, forcierte Digitalisierung und blanke Oberflächlichkeit stillgelegt wird.
Diese Phänomene gehen einher mit einer Radikalisierung rechten Gedankenguts, das sich gegen Migranten und Asylanten richtet, und der vollkommenen Ausgrenzung der Dimension des Schönen und Wahren aus dem Leben der Menschen. Die sogenannten „anderen“ Menschen, die aus anderen Ländern nach Europa strömen, um hier ihr Paradies zu finden, werden entmenschlicht und brutalisiert, indem jegliches Zeichen von Gewalt unmittelbar mit dem Islam und seinen religiösen Normen in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig gehen aber gerade von dieser Gruppe der Migranten und Asylanten Gewalttaten aus, die den Kreislauf der Islamfeindlichkeit und der anti-muslimischen Ideologie geradezu anfeuern.
Der brutale Völkermord Israels im Gazastreifen, der Vormarsch des bewaffneten Zionismus mit seinen expansionistisch-imperialistischen Zielen, die absolut fehlende Zivilcourage im Alltagsleben der Menschen, die das Politische nicht mehr als Antriebskraft ihres Handelns und Lebens auf den Straßen, in den Familien und in der Gesellschaft ansehen, drehen auch alle Ideologien um und stellen sie regelrecht auf den Kopf.

Quelle: Collage von Rudolf Bauer

Quelle: Reuters
Politische Gegner werden nicht mehr durch Dialektik und Intelligenz bekämpft, sondern durch irrationale Dämonisierungsmaschinen. Wenn man sich pazifistische Parteien ansieht, die in ihre Kehrseite mutieren und Hass gegen Völker und Religionen schüren, wenn man sich die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen und die Gleichgültigkeit ansieht, welche die Weltbühne bestimmt, fragt man sich, was man selbst gegen eine solche Welt noch tun kann. Unser Leben ist begrenzt und unsere Ressourcen sind es noch mehr. Was uns bleibt, sind unsere Stimmen, die wir erheben können oder auch nicht, und dies mit allen möglichen Konsequenzen und im Wissen darüber, dass man unsere Stimmen ersticken kann, dass man unsere Blogs “löschen” kann, unsere Bilder zerstören, unsere Lieder verbieten, dass unsere Feinde Zwietracht säen werden, dass man uns mit Strafen, Gefängnis, der psychischen Folter und der physischen Auslöschung droht und uns verfemt, verleumdet und denunziert. Unsere Entscheidung, als ProMosaik erneut zu versuchen, unsere Stimme zu erheben, ist die Geburtsstunde des Blogs von ProMosaik Voice. Die Zukunft wird uns zeigen, was mit unserer Stimme geschehen wird und welches Schicksal und welche Herausforderungen ihr bevorstehen.

Quelle: The Economist, by Sebastien Thibault
ProMosaik sieht sich als ein Portal, das sich für Völkerverständigung, Kritik am Kapitalismus, Frauenrechte, Betonung von Vielfalt, Anti-Zionismus, Anti-Imperialismus, interreligiösen Dialog, Toleranz, Bekämpfung jeglicher Form von Diskriminierung und Förderung von Schönheit in Form von Poesie, Musik und Kunst einsetzt.
Dieses neue Portal von ProMosaik Voice ist für uns nicht mehr und nicht weniger als eine kooperative und kollektive Schreibwerkstatt. Es ist ein unvollkommener Versuch, unsere Ideen und Standpunkte darzulegen. ProMosaik Voice soll eine Plattform sein, die den Dialog fördert und aufzeigt, dass keine Stimme ohne ein Echo existieren kann. Denn ganz im Sinne des jüdischen Philosophen Martin Buber sehe ich das Du nicht als Objekt, sondern als Subjekt. Ins Politische verlegt würde dies dann bedeuten, dass der Andere im Sinne Edward Saids nicht orientalisiert, sondern als Subjekt anerkannt wird.
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Quelle: Excellence Reporter und Portside
Die Bekämpfung von Gewalt und Brutalität setzen voraus, dass soziale Gerechtigkeit und Diversität gefördert werden. Dies setzt wiederum einen anderen Gesellschaftsvertrag voraus als den kapitalistisch-imperialistischen, dessen Krise uns gerade so hart trifft. Und dies setzt wiederum voraus, dass Menschen miteinander kommunizieren und sich mit den Standpunkten und Ideen anderer auseinandersetzen. Diese Kommunikation verlangt nach der Aufhebung der sozialen Entfremdung, die durch die Herrschenden und ihre Demagogie gesteuert wird. Schließlich setzt die Bekämpfung von Gewalt und Brutalität als Grundvoraussetzung ein Ende des Herrschaftssystems voraus, das sich genau auf dieser Gewalt und Brutalität stützt.
Ausgrenzung und Marginalisierung führen zu noch mehr Gewalt. Das Schweigen und Verdrängen von Problemen fördert Gewalt. Wo keine Worte mehr ausgesprochen werden, wo man sich nicht mehr für die Diplomatie einsetzt, dort sprechen die Waffen der post-kapitalistischen Drohnenhersteller der digitalen Ära. Daher positionieren wir uns ganz klar gegen „Rechts“, gegen totalitäre Regime jeglicher Art und gegen den Zionismus, der für uns eine rechtsradikale und zerstörerische Ideologie eines Apartheidstaates ist, der sich als einzige Demokratie des Nahen Osten aufspielt.

Quelle: politico.eu
Um unsere Stimme hörbar zu machen, brauchen wir Ihre Unterstützung. Wir sind uns aber auch des Dilemmas bewusst, dass es nicht ausreicht, unsere Stimme zu erheben und ihr Gehör zu verschaffen. In einem persönlichen Kommentar zum Konzept von ProMosaik Voice ergänzte unser Freund und Unterstützer, Professor Dr. Rudolph Bauer, in treffender Weise wie folgt:
“Ich sehe drei ‘Aus’-Wege: erstens die Revolte der Massen (das alleine genügt nicht), zweitens das Erlangen eines neuen Bewusstseins (auch das alleine genügt nicht), drittens dass die revoltierenden Massen einen neuen Grad des Bewusstseins erlangen. Dass ‘wir uns ganz klar gegen ‘Rechts’, gegen totalitäre Regime jeglicher Art und gegen den Zionismus (positionieren)’, ist eine hehre, aber auch hohle Formel, so lange dieses Positionieren nur ein Bekenntnis beinhaltet, aber nicht mit der Macht ausgestattet ist, all das hinwegzufegen, was die Befreiung der Menschen und der Menschheit verhindert. Das wiederum setzt jedoch voraus, die Stimme zu erhaben und gehört zu werden.”

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